Jeder hat doch einen Akzent, nicht wahr? Ick zum Beespiel bärlienere ziemich doll wenn ick ma wieda zu Hause bin un mid meenen Freunden quatsche. Oder wie einer meiner Dozenten aus dem zweiten Unijahr in Nottingham, dessen sächsisch mariniertes Englisch eine semesterlange Irritation für meine Ohren darstellte.

Wie dem auch sei, als Ausländer in Großbritannien ist es von Beginn an mein Ziel gewesen, mich so einheimisch wie möglich anzuhören. Ohne mir selbst zu sehr auf die Schulter zu hauen, eine mir unbekannte Mischung aus Talent und Ehrgeiz hat tatsächlich zu genau diesem Ergebnis geführt. Hurah, juchzt da mein Herz, dass ich mich nicht wie der typische Zee Germananhöre, den man so gern (und hämisch) mit Sandaletten und Tennissocken in Verbindung bringt.

Soweit so gut. Und irgendwie doch nicht, denn meine linguistische Tarnkappe hat einen Designfehler. Zwar kommt hier keiner auf die Idee, dass ich eigentlich aus Deutschland komme, aber es denkt leider auch keiner, dass ich tatsächlich zu den Ureinwohnern dieser Insel gehöre. Das liegt daran, dass ich nämlich gar keinen ausgeprägten englischen Akzent habe – oder bestenfalls einen sehr launischen. Das hat dazu geführt, dass ich oft als Australerien und hin und wieder als Südafrikanerin identifiziert wurde. Letztens einmal sogar als Kanadierin. Wenn die Leute nicht ungefragt raten, dann schauen sie mich kurz prüfend an und stellen ganz höflich fest, dass ich ja nicht von hier bin, oder?

Mein Ehrgeiz hier ist noch nicht versiegt, aber nach drei Jahren habe ich den Verdacht, dass ich mich wohl niemals wie ein waschechter Brite anhören werde (höchstens wie ein ganz posher, aber davon ein anderes Mal). Darüber bin ich nicht traurig. Was zählt ist, dass wir uns verständigen können.

Und sowieso … als Aufhänger oder Gesprächsfaden reichts allemal.


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